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Berlusconis Strahlkraft

Silvio Berlusconi will in Italien künftig auf Atomkraft setzen. Ein Atommeiler mit kaum erprobter neuer Reaktortechnologie ist nahe der österreichischen Grenze geplant – im norditalienischen Urlaubsparadies um Lignano, Jesolo, Bibione und Caorle. Eine allfällige Bedrohung für die Steiermark will Landeshauptmann Franz Voves unbedingt verhindern.
Der italienische Ministerpräsident plant den Bau von vier Atomkraftwerken – eines davon in Chioggia, nahe der österreichischen Grenze und damit der Bundesländer Kärnten und Steiermark. Der neue Atommeiler wäre dann von Villach gleich weit entfernt wie der Schrottreaktor Mochovce von Wien.

Seit Ende Juli protestieren bereits Greenpeace-Aktivisten aus Italien und Österreich gegen die italienischen Atompläne.

Lage in Italien nach Tschernobyl

Ein Jahr nach dem Super-GAU in Tschernobyl im Jahr 1986 hat sich die italienische Bevölkerung in einer Volksabstimmung bewusst gegen die Atomkraft entschieden: 80 Prozent der Italiener waren für die Abschaltung der giftigen »Pusteln« in ihrem Land. Damit hatte Italien als einziges der G8-Länder auf Atomkraft verzichtet. Jetzt, mehr als 20 Jahre später, setzt der konservative Regierungschef Berlusconi wegen der hohen Ölpreise auf Risikotechnologie: Bis zum Jahr 2013 soll der Grundstein für vier bis fünf Atommeiler mit einer elektrischen Leistung von je 1800 MWe gelegt werden.

Prototyp der AKWs aus Sicherheitgsründen gestoppt
Die geplanten Atommeiler basieren auf einer neuen Reaktortechnologie, die bisher weltweit noch nie ans Netz gegangen ist; in Frankreich kam es aus Sicherheitsgründen sogar zum Baustopp. Dennoch hat Berlusconi mit dem französischen Hersteller, dem Energiekonzern AREVA, vereinbart, vier Reaktoren zu kaufen.

Frankreich bei Atomenergie  in Europa an der Spitze
Frankreich setzt mit einem Anteil von 76,8 Prozent und 59 AKWs wie kein zweiter Staat in Europa auf Atomkraft. EU-weit betreiben 15 Staaten insgesamt 146 Atomreaktoren – ungefähr ein Drittel aller weltweiten Reaktoren. AKWs sind üblicherweise auf eine Lebenszeit von 30 Jahren ausgelegt, aber die Atomlobby behauptet oft, sie könnten problemlos bis zu 60 Jahre laufen. Verschleißerscheinungen und veraltete Technik fordern oft einen tödlichen Preis. Auch in Europa gab es in jüngster Zeit immer wieder Störfälle: Im englischen AKW Sellafield traten 2005 über Monate hinweg aus einem Leck 83.000 Liter einer hochradioaktiven Giftbrühe aus Uran, Plutonium und Salpetersäure aus. Im schwedischen Forsmark führte im Juli 2006 ein Kurzschluss zum völligen Kontrollverlust über das Kühlsystem. Nur ein per Hand gestartetes Notstromaggregat konnte Schlimmes verhindern.

LH Voves: »Klares Nein zu  italienischen Atomplänen!«
Die Lehren aus Tschernobyl und die Bedrohung, die sich für die Steiermark und ihre Bewohner ergibt, sind für Landeshauptmann Franz Voves Grund genug, die verantwortlichen Politiker in Italien »im Namen aller Steirerinnen und Steirer« aufzufordern, »von den Plänen, neue Atomkraftwerke in den Regionen Friaul und Veneto zu errichten, Abstand zu nehmen«. Ein diesbezügliches Schreiben wird Voves auch an den Präsidenten der Region Veneto, Luca Zaia, richten.

Franz Voves: »Atomkraft sollte generell nicht die Energiequelle der Zukunft sein. Wir haben nach Tschernobyl alle erleben müssen, welche fürchterlichen Konsequenzen sich bei einem AKW-Unfall für die Menschen über Jahrzehnte ergeben können.«

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